Aus dem Statement der Festivaljury (das gesamte Statement unten):
Frl. Wunder AG und Theater Thikwa laden an einen Ort, der verbindet und gleichzeitig trennt, der sättigt und doch oft unzufrieden lässt: die Kantine. Hier ereignet sich ein Theaterabend voller Wärme, Witz und gesellschaftlicher Tiefenschärfe. Was sofort ins Auge fällt, ist die Sorgfalt der Ausstattung. Szenographie, Kostüm und Food Design greifen ineinander wie Zutaten eines durchdachten Rezepts: liebevoll, präzise, mit einem Gespür für das Detail. Getragen wird das alles von einem Ensemble, dem man mit Vergnügen folgt. […]
Über die Produktion Tod in der Tupperbox
Kantinen sind praktisch. Aber in Kantinen leidet der Geschmack. Warum bloß? Neun Performer*innen machen ihre eigene Kantine auf und laden das Publikum zu Tisch!
Doch ein geheimnisvolles Verbrechen verdirbt die Stimmung. Die Mithilfe der Gäste ist gefragt. In kleinen, feinen Essensgängen ermitteln wir mit allen Sinnen: Was verrät ein Geschmack? Was wissen wir über unser Essen nicht? Und welche Rolle spielt der Darm? In diesem Krimi-Dinner wird das Essen selbst zum Kriminalfall – guten Appetit!
Frl. Wunder AG und Theater Thikwa werden das Preisgeld für eine neue Produktion nutzen und das Best OFF Festival Freier Theater 2028 mit deren Uraufführung eröffnen.
Neben Tod in der Tupperbox wurden in der Sparte Best OFF_professionals beim Festival gezeigt:
- The Fight Club von Zufit Simon (Braunschweig)
- How to survive with HILDEGARD KNEF von Tommy Wiesner und Ensemble (Hannover)
- MEPHISTO. UNDER PRESSURE. von Theater an der Glocksee (Hannover)
- REDSHIFT – Tales of gaining power von tilted collective (Braunschweig)
- Heart Shaped Box von wonderlendt performances (Braunschweig)
Insgesamt hatten sich 34 professionelle Ensembles und Kollektive mit aktuellen Stücken für die Festivalsparte Best OFF_professionals beworben. Fünf wurden von der Auswahljury im Dezember 2025 für das Festival nominiert. Bereits für diese Festivalnominierung erhielten die Best OFF_professionals je 10.000 Euro.
Vom 23. bis 25. April präsentierte das Best OFF Festival Freier Theater herausragende Produktionen von elf niedersächsischen freien Theaterensembles – sechs in der Sparte Best OFF_professionals und fünf in der Nachwuchssparte Best OFF_trainees. Die jungen Theaterschaffenden wurden ebenfalls durch eine Fachjury für den Festivalauftritt nominiert und erhielten dafür je 2.000 Euro Preisgeld. Nahezu alle Vorstellungen des Festivals waren ausverkauft. Die Auslastung lag bei 98 %.
Über das Best OFF Festival Freier Theater
Das Best OFF Festival Freier Theater ist die zentrale Plattform für die freie Theaterszene in Niedersachsen. Seit 2011 wird das Festival alle zwei Jahre von der Stiftung Niedersachsen ausgerichtet. Es präsentiert herausragende Inszenierungen und Ensembleleistungen freier Tanz- und Theaterproduktionen, fördert Nachwuchskünstler*innen und stärkt nachhaltig die Sichtbarkeit freier Theaterarbeit. Für drei Tage wird das Kulturzentrum Pavillon zum Festivalzentrum und zum lebendigen Treffpunkt der freien Szene.
Das Best OFF wird durchgeführt in Kooperation mit dem Landesverband Freie Darstellende Künste in Niedersachsen, dem Kulturzentrum Pavillon und der theaterwerkstatt Hannover.
Über die Stiftung Niedersachsen
Seit 1987 engagiert sich die Stiftung Niedersachsen für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung im ganzen Land. Als Landeskulturstiftung stärkt sie durch die Förderung gemeinnütziger Projekte die Vielfalt der Kultur in Niedersachsen und trägt zur Profilierung des Kulturstandortes bei. Pro Jahr fördert die Stiftung rund 200 Projekte und ist selbst operativ tätig.
Statement der Festivaljury des Best OFF Festivals Freier Theater 2026
„Wir haben in drei Tagen die Bandbreite der niedersächsischen freien Szene kennengelernt und gesehen, mit welchem Mut und welcher Dringlichkeit sich die Künstler*innen mit aktuellen Themen, wie struktureller Gewalt, Macht, Demokratieabbau und Umgang mit Krisen auseinandersetzen. Dabei wird die Bühne nicht nur als Ort der inhaltlichen und ästhetischen Verhandlung angesehen, sondern auch als gemeinsamer Raum der Aktivierung.
Vielen Dank dafür!
Besonders beeindruckt hat uns die Produktion „Tod in der Tupperbox“.
Frl. Wunder AG und Theater Thikwa laden darin an einen Ort, der verbindet und gleichzeitig trennt, der sättigt und doch oft unzufrieden lässt: die Kantine. Hier ereignet sich ein Theaterabend voller Wärme, Witz und gesellschaftlicher Tiefenschärfe.
Was sofort ins Auge fällt, ist die Sorgfalt der Ausstattung. Szenographie, Kostüm und Food Design greifen ineinander wie Zutaten eines durchdachten Rezepts: liebevoll, präzise, mit einem Gespür für das Detail.
Getragen wird das alles von einem Ensemble, dem man mit Vergnügen folgt. Die Inszenierung schafft Raum, in dem die jeweiligen Qualitäten der Performer*innen zum Glänzen gebracht werden: das Ergebnis eines gelungenen gemeinsamen Prozesses.
Mit detektivischem Spürsinn werden die individuellen Bedürfnisse aller im Raum Anwesenden ermittelt – doch aus diesen Unterschieden entsteht keine Reibung, sondern sie dienen als Ausgangspunkt für Solidarität und Gemeinschaft.
Vielleicht ein gutes Rezept, um auch sonst den Blick mehr auf das Verbindende zu richten, als auf das, was uns trennt?
Und dann sind da noch die humorvollen und eingängigen Songs und der feinsinnige Sound. Sie bilden Sahnehäubchen und Grundlage des Abends und erzeugen einen gemeinschaftlichen Raum.
Die Bedingungen der freien Szene sind oft nicht auf Kontinuität ausgelegt. Mit dem Preis wollen wir eine Fortsetzung dieser besonderen Zusammenarbeit ermöglichen und sie stärken.
Was uns noch wichtig ist, zu sagen: im Trainee-Programm haben wir herausragende Arbeiten und künstlerische Positionen gesehen und wir hoffen, dass euch auch bei knapper werdenden Kassen die Leidenschaft nicht ausgeht und ihr das Durchhaltevermögen habt, für euch selbstbewusst einzustehen und die freie Szene mit euren Arbeiten auch in Zukunft zu bereichern.”
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